So wie alle unterschiedlichen Teile der Rinde die Gesamtrinde des Baumes ausmachen, machen die verschiedenen Anteile in uns uns aus.
Es gibt verschiedene Modelle, die mit inneren Anteilen arbeiten. Dazu gehört neben IFS zum Beispiel das Modell des ’Inneren Team’ von Friedemann von Schultz von Thun. Bei Gunther Schmidt heisst es ‘Inneres Parlament’ oder Virginia Satir nennt es das ‘Theater des Inneren’.
IFS wurde Anfang der 1980er Jahre von Richard C. Schwartz entwickelt. Ursprünglich wurde das Model ausschliesslich in der Psychotherapie verwendet, in den letzten Jahren wird es mehr und mehr auch in der alltäglichen Lebenspraxis umgesetzt. Schwartz kommt ursprünglich aus der Familientherapie, was auch der Grund dafür ist, dass er sein Modell IFS genannt hat. Er hatte festgestellt, dass unsere inneren Vorgänge den Vorgängen in einem Familiensystem ähneln. So wie die Familienmitglieder verschiedene Eigenschaften und Rollen haben, so haben wir in unserem Innern verschiedene Teile unterschiedlichen Alters, Temperaments und Rollen. Die Teile können sich als Gedanken, körperliche Wahrnehmungen, Impulse, Gefühle zeigen. So zum Beispiel als den Kritiker, die Wut, der Perfektionist, der Kontrolleur, die Traurigkeit, die Angst. Welche Teile wie stark entwickelt werden, hängt von den Lebenserfahrungen ab. Wenn Teile extrem oder destruktiv werden, ist das in der Regel darauf zurückzuführen.
Wichtig zu erwähnen ist, dass es grundsätzlich keine ‘schlechten’ Teile gibt, die man einfach ‘weghaben’ muss. Alle haben grundsätzlich ihre Berechtigung, haben in einer gegebenen Situation aber vielleicht einfach eine nicht-zielführende Gewichtung.
IFS unterscheidet sich von anderen Teilemodellen insbesondere dadurch, dass es ganz zentral auch mit dem Selbst (die Buddhisten nennen das das ‘No-self’) arbeitet, und dabei angestrebt wird, dass von diesem aus die innere Führung für das gesunde Zusammenspiel der Teile kommt – Schwartz nennt das ‘Self-leadership’. Das Selbst ist kein Teil wie die anderen und wird von verschiedenen Traditionen unterschiedlich benannt – das Innere Licht, Christus Bewusstsein, Buddha Natur, Atman.
In der Arbeit mit den verschiedenen Teilen wird diesen aus dem Selbst heraus mit Wohlwollen, Neugierde und Mitgefühl begegnet. Es geht grundsätzlich darum, dass zum einen die Teile dem Selbst (wieder) vertrauen, und dass zum anderen alle Teile, auch die verdrängten, achtsam gehört werden und in diesem Prozess sich zu laut bemerkbar machende Teile entspannen können, sodass letztlich alle integriert werden und konstruktiv zusammen arbeiten können.
Grundsätzlich erreicht man mit dieser Methode, dass als erstes wir uns selbst besser verstehen, und wir zweitens aus impulsiven, automatischen Reaktionen raus kommen und stattdessen mit unseren inneren Vorgängen – Gedanken, Gefühlen – (wieder) konstruktiv, zielführend und mit Mitgefühl umgehen können.